viewing and manipulating the atomic world - exploring the nano-world
Der Begriff Nanotechnologie verweist auf die direkte Sichtbarmachung, die Kontrolle und die Beeinflussung von Materie im Bereich der Nanometerskala. Unsichtbares wird sichtbar. Die erforschten Objekte müssen visuell repräsentiert werden, um als bestätigender Nachweis nachvollziehbar und vermittelbar zu sein. Die Bilder der wissenschaftlichen Institute sind das Ergebnis mehrerer parallel laufender Transferprozesse, die durch technische Faktoren beeinflusst werden, sowie subjektive Auswahlkriterien seitens der Wissenschaftler unterliegen.
Die technischen Eigenschaften des Beobachtens haben einen direkten Einfluss auf das Bild von atomaren Strukturen. Messdaten eines Rastertunnelmikroskopes bringen im Vergleich zu einem Rasterkraftmikroskop unterschiedliche Abbilder des gleichen Untersuchungs-gegenstandes hervor.
Die künstliche Konstruktion, der artifizielle Charakter von Bildern der Wissenschaft lässt diese ganz tief in das Feld der Kunst eindringen.
Wir benutzen bereits vorgegebenes Material und interpretieren es neu, bzw. stellen neue Formen seiner Wahrnehmung bereit und thematisieren damit den bild- und klanggebenden Transferprozess an sich.
Die Objektivität der Bilder ist in Frage gestellt. Die bewusste künstlerische Verarbeitung wissenschaftlicher Eindrücke erscheint uns als ein interessanter Anknüpfungspunkt; dies gerade unter Eindrücken emergenten Verhaltens der einzelnen Prozesse während der bildgebenden Verfahren. Das Zusammenwirken der Teilprozesse, d.h. die aus ihrem Prozess des Transfers heraus entstehenden Strukturen und Objekte stellen auf einer weiteren Ebene eine neue Modellierung und Formgebung des originalen Materials dar. Wir bieten für die Rezeption der nanosphere und das Verhalten mitotischer Spindeln akustische und visuelle Wahrnehmungen an.
Phase I
Die vom MPI gelieferten Bild- und Filmmaterialien werden zuerst auf eine einheitliche Zeitebene gebracht. Diese weisen für die weitere Verarbeitung eine variierende Bildrate auf. Somit beschleunigen bzw. verlangsamen wir die Bildrate, um im Endergebnis alle Materialien im identischen Format verwenden zu können. Die grundlegende Struktur und der Charakter des Materials bleibt jedoch erhalten.
Phase II
Aus dem Originalmaterial des MPI CBG heraus, wenden wir ein informationsanalytisches Verfahren an. Mittels Bewegungstracking werden die abgebildeten Spindelbewegungen in Zahlenwerte transformiert. Zum Beispiel die Winkelmasse bei Drehungen (-360∞ - 360∞, -pi - pi). Die erfassten Bewegungen liefern somit die Grundstruktur für die visuell - akustische Interpretation.
Die visuelle und akustische Interpretation und Verarbeitung der durch das Tracking erfassten Bewegungen bzw. Daten erfolgt innerhalb selbst erstellter Patches auf der Basis von MAX/MSP für den visuellen, und Super Collider für den akustischen Part. Die Datenübertragung erfolgt über das OSC Protokoll, wodurch eine gleichzeitige Verteilung der Informationen an mehrere Rechner möglich wird.
Phase III
Für die weitere Entwicklung neuer Algorithmen zur Klangsynthese ermitteln wir mit Hilfe von MAX/MSP + Jitter Daten für die Steuerung und Konstruktion des Sounds. Diese Steuerdaten der nanosphere erfahren ihre Transformierung nach festgelegten Parametern in der Software Super Collider. Die dabei entstehenden Prozessdaten werden wieder für das Video-Processing, der Konstruktion eines weiteren Abbildes der nanosphere nutzbar gemacht.
Phase IV
Die selbstgebauten Patches erlauben das Material neu zu kombinieren, ihren zeitlichen Ablauf zu verändern und die Abläufe als eine neue audiovisuelle Komposition zu präsentieren. Somit liefert das MPI CBG einzigartiges Material für die Erschaffung neuer Klang und Bildräume, die uns gleichzeitig auch eine Ebene näher bringen, welche auch unsere Leiblichkeit betreffen.
year: 2004
Original-Filmmaterial: Thomas Müller-Reichert, MPI-CBG Dresden
production: Matthias Härtig
in co-operation with Max-Planck Institut of molecular cell biology and genetics dresden (mpi-cbg) and Trans-Media-Akademie Hellerau e.v.
Das Projekt wurde im Rahmen des Artist in Residence Programms der Kunstministerin des Freistaates Sachsen realisiert.